
Künstliche Befruchtung und Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenkasse
1. Was ist künstliche Befruchtung?
Die künstliche Befruchtung ist eine medizinische Methode zur Behandlung von Unfruchtbarkeit bei Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch. Sie umfasst verschiedene Techniken, um eine Schwangerschaft zu ermöglichen, wenn eine natürliche Empfängnis nicht eintritt.
2. Methoden der künstlichen Befruchtung
Es gibt verschiedene Verfahren, die je nach Ursache der Unfruchtbarkeit angewendet werden:
2.1. Insemination (IUI – Intrauterine Insemination)
-
Übertragung aufbereiteter Spermien direkt in die Gebärmutter
-
Anwendung bei leichter männlicher Unfruchtbarkeit oder ungeklärter Sterilität
2.2. In-vitro-Fertilisation (IVF)
-
Entnahme von Eizellen, Befruchtung im Labor mit Spermien und Rückführung in die Gebärmutter
-
Häufige Methode bei Eileiterproblemen oder unerklärter Unfruchtbarkeit
2.3. Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI)
-
Eine einzelne Samenzelle wird direkt in die Eizelle injiziert
-
Anwendung bei schwerer männlicher Unfruchtbarkeit
2.4. Kryokonservierung (Einfrieren von Eizellen oder Embryonen)
-
Wird oft in Kombination mit IVF oder ICSI genutzt
-
Nicht grundsätzlich von der GKV übernommen (außer bei medizinischer Notwendigkeit, z. B. Krebsbehandlung)
3. Gesetzliche Voraussetzungen für die Kostenübernahme durch die GKV
Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt einen Teil der Kosten für künstliche Befruchtung unter bestimmten Bedingungen. Diese sind im Sozialgesetzbuch (SGB V § 27a) geregelt.
Voraussetzungen:
✅ Das Paar muss verheiratet sein (keine Kostenübernahme für unverheiratete oder gleichgeschlechtliche Paare)
✅ Beide Partner müssen mindestens 25 Jahre alt sein
✅ Die Frau darf maximal 40 Jahre, der Mann maximal 50 Jahre alt sein
✅ Es muss eine medizinische Notwendigkeit für die Behandlung vorliegen
✅ Die Behandlung muss in einer zugelassenen Praxis oder Klinik erfolgen
✅ Ein Behandlungsplan muss vor Beginn bei der Krankenkasse eingereicht und genehmigt werden
4. Welche Kosten übernimmt die gesetzliche Krankenkasse?
Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen 50 % der Kosten für eine bestimmte Anzahl an Versuchen:
-
Insemination ohne Hormonstimulation: bis zu 8 Versuche
-
Insemination mit Hormonstimulation: bis zu 3 Versuche
-
IVF (In-vitro-Fertilisation): bis zu 3 Versuche
-
ICSI (Intrazytoplasmatische Spermieninjektion): bis zu 3 Versuche
Zusätzliche Kosten, die selbst zu tragen sind:
-
Medikamentenkosten über den Kassensatz hinaus
-
Weitere Behandlungsversuche nach den festgelegten Grenzen
-
Zusatzleistungen wie spezielle Laborverfahren oder Kryokonservierung
5. Erweiterte Kostenübernahme durch bestimmte Krankenkassen
Einige Krankenkassen übernehmen freiwillig einen höheren Anteil oder zahlen zusätzliche Versuche, auch für unverheiratete Paare.
Beispiele für Krankenkassen mit erweiterten Leistungen:
-
Techniker Krankenkasse (TK): Übernimmt 100 % für den 1. Versuch, 75 % für den 2. und 3. Versuch
-
DAK-Gesundheit: Erstattung von bis zu 100 % bei bestimmten Voraussetzungen
-
Barmer: Zuschüsse über die gesetzliche Regelung hinaus
👉 Tipp: Ein Kassenwechsel kann sich lohnen, wenn eine Krankenkasse höhere Zuschüsse bietet!
6. Zusätzliche finanzielle Unterstützung durch Bundesländer
Neben der GKV bieten einige Bundesländer zusätzliche Förderprogramme für künstliche Befruchtung an. Diese übernehmen ggf. bis zu 50 % der Eigenkosten.
🔹 Bundesländer mit Förderprogrammen (Stand 2024):
✅ Baden-Württemberg
✅ Bayern
✅ Berlin
✅ Brandenburg
✅ Niedersachsen
✅ Nordrhein-Westfalen
✅ Sachsen
✅ Thüringen
Wichtig: Die Förderkriterien unterscheiden sich je nach Bundesland.
7. Private Krankenversicherung (PKV) und künstliche Befruchtung
Privatversicherte erhalten je nach Tarif häufig eine umfangreichere Kostenübernahme. Einige private Versicherungen übernehmen:
-
Mehr als 50 % der Kosten
-
Auch Behandlungen für unverheiratete Paare
-
Zusätzliche Laborverfahren und Medikamente
8. Fazit
Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt 50 % der Kosten für maximal drei IVF- oder ICSI-Versuche, wenn das Paar verheiratet ist und bestimmte Altersgrenzen erfüllt. Einige Krankenkassen bieten erweiterte Leistungen an, und viele Bundesländer fördern die künstliche Befruchtung zusätzlich. Ein Krankenkassen- oder Wohnortwechsel kann daher finanzielle Vorteile bringen.
Nur noch ein Klick
✅ Sprechen Sie persönlich mit Ihrem Versicherungsexperten aus Ihrer Stadt.
Weitere Informationen:
Unterschiede zwischen den Krankenkassen
Die Zusatzleistungen sind nicht bei allen gesetzlichen Krankenkassen gleich. Manche bieten umfangreiche Pakete an, während andere nur die gesetzlichen Mindestleistungen bereitstellen. Es lohnt sich daher, verschiedene Krankenkassen zu vergleichen.
Bitte beachten Sie: Die hier dargestellten Informationen und Leistungsbeschreibungen sind lediglich eine Kurzübersicht. Der rechtsverbindliche Umfang des Leistungsangebots ergibt sich aus dem Vertragswerk und dem Wortlaut der vereinbarten Bedingungen.